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wieder kommt der Typ auf seiner GSX-R 1000 vorbei. Auf jeder Geraden das
gleiche Spiel. Die über 150 PS starke Maschine fliegt vorbei. Das
wäre ja soweit in Ordnung, bei dem starken Verkehrsaufkommen heute
in Hockenheim kommt das alle paar Sekunden vor. Aber der Typ nervt. In
der nächsten Kurve steht er nämlich wieder im Weg rum, eine
Kehre ist doch kein Parkplatz.- Willkommen bei der Dauerprüfung der
1000 Kilometer Hockenheim. Bald ist der Tank leer, und ich darf zum Fahrerwechsel
in die Boxengasse fahren. VOXAN-Händler Michael Stöcker hat uns eingeladen, gemeinsam auf seiner Café Racer an der Saisoneröffnung teilzunehmen. Neben einer einzigen Ducati 998 S und zwei BMW 1100 S sind wir der Exot des Rennens. Dabei gibt es gute Neuigkeiten vom französischen Hersteller VOXAN. Es werden wieder Motorräder gefertigt in Issoire im Zentrum Frankreichs. Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren brachte VOXAN die ersten Motorräder auf den deutschen Markt. Drei wunderschöne und dazu technisch erstklassig funktionierende Zweizylinder-Varianten waren im Angebot: die hochstelzige Scrambler, die unverkleidete Roadster und die Café Racer mit Halbschalenverkleidung. Die Motorräder kamen mit ihrer eigenständigen Optik und dem charaktervollen Twin gut an. In dieser wunderbaren Wachstumsphase zog ein Investor Geld aus der Firma ab, das prosperierende Unternehmen kam in Geldnot. Die Produktion lag lahm. Jetzt hat sich ein neuer Anleger gefunden, der die Liquidität wieder hergestellt hat. Die Bänder sind wieder angelaufen, in diesem Jahr werden noch 800 Motorräder produziert, bis auf kleine Details identisch mit den Motorrädern der ganzen Serie. Aber zurück nach Hockenheim. Ostersamstag geht es traditionell für deutsche Motorradsportler ins neue Jahr. An diesem Tag findet die erste "Zuvi"-Prüfung statt. Zuvie steht für Zuverlässigkeit. Vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB) seit Jahrzehnten durchgeführt, bilden diese Veranstaltungen die Basis des Motorradsportes. Breitensport für jedermann. Beim DMSB unter der Rubrik Seriensport geführt, waren diese Rennen früherdie einfachste und unkompliziertese Möglichkeit, in den Motorradsport einzusteigen. Alle Motorräder aus Serienfertigung sind erlaubt. Prototypen und reine Rennmaschinen sind tabu. Tuning ist nur in einem sehr kleinen Bereich erlaubt. Motorsport, wie er günstiger nicht machbar ist. Der in Deutschland bekannteste Akteur dieser Rennen dürfte Helmut Dähne sein. Legendär und noch immer aktuell ist sein Rundenrekord mit einer Honda RC 30 auf der Nordschleife des Nürburgrings. Dähne ist natürlich auch in diesem Jahr wieder dabei. Er fliegt ebenfalls auf einer Suzuki GSX-R 1000 umher, entgegen aller Gerüchte auch mit dem Knie über den Asphalt schleifend. |
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In
den letzten Jahren wurde es ruhiger um die Seriensport-Rennen. Denn
jeder Renntrainings-Veranstalter führte seine eigene kleine Meisterschaft
durch. Für die Teilnahme an DMSB-Rennen muss dagegen eien eLizenz
beantragt werden, verbunden mit schriftlichem Antrag und ärztlichem
Attest. Wer nur reinschnuppern will, kann auch eine Tageslizenz beim
Veranstalter kaufen.
Als Nichtrennfahrer lösen wir eine solche Tageskarte. Mit der sportlichen VOXAN, dem Café Racer, terten wir an. Serienmässig leisten die Twins aus Frankreich standfeste 100 PS. Ein offener Endtopf von Sebring bringt feinen BRabbel-Sound. Zusammen mit einer geänderten Einspritzanlage und geglätteten Kanälen im Zylinderkopf leistet der Motor sches Pferde mehr. Am Fahrwek sind einige größere Modifikationen erlaubt. Das serienmäßige Federbein der Voxan wurde gegen ein feiner ansprechendes Pendant von Wilbers ausgewechselt. Die Gabel überarbeitete Michael Stöcker komplett. Straffer führen in Eigenregie entwickelte Innereien das Vorderrad. Das Fahrwerk passt sehr gut nach Hockenheim, gegen Ende sogar so gut, dass wir mit Seitenständer und Krümmer aufsetzten. In der serienmäßigen Bremsanlage reiben sich Racing-Bremsbeläge von AP mit den Scheiben. Das Bremsentuning bringt feineres Ansprechverhalten und einen transparenteren Druckpunkt. Über das wenig bekannte, aber deine französische Motorrad staunen die Herren bei der technischen Abnahme nicht schlecht. Die Veranstaltung in Hockenheim ist in vier Klassen eingeteilt. Eine Klasse für 1200 ccm-Vierzylinder, eine ebensolche für 750er, eine bis 600 ccm und eben auch eine Klasse für alle Motorräder, die weniger als vier Zylinder haben. Diese aber ohne Hubraumlimit. In unserer Klasse Vier bauen sich am Vorstart neben uns Aprilia Mille, Honda VTR 1000 SP und Ducatis auf. Dazu kommen noch zwei Suzuki SV 1000 S und einige Dreizylinder Triumph Daytonas. Im Schnitt sind diese Maschinen um rund ein Drittel stärker - das kann ja heiter werden. Zum Göück, denken wir, sind auch die zwei mutigen Teams mit der Boxer Cup-Replika von BMW mit am Start. |
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Zwei
Fahrer bilden ein Team. Schließlich sind 1000 Kilometer zu absolvieren.
Ein Seriensportrennen teilt sich in zwei Abschnitte. Als erstes wird
eine Dauerprüfung gefordert. Start-und Endzeit sind festgelegt.
In den dazwischen liegenden Stunden muss die geforderte Anzahl an Runden
gefahren und das Motorrad am Ende wieder im Parc Fermé abgestellt
werden. Fahrerwechsel, Auftanken, Reifenwechsel oder eventuelle Sturzschäden
reparieren muss bei fortlaufender Zeit durchgeführt und durch schnelle
Rundenzeiten aufgeholt werden.
Wer die vorgeschriebene Anzahl von Runden nicht schafft, bekommt Strafpunkte. Den zweiten Teil der Prüfung bildet ein Sprintrennen über rund 30 Minuten. Der Sieger wird aus beiden Wertungen ermittelt. Wer also ohne Strafpunkte die Dauerprüfung beendet und im Sprint als erster über die Ziehllinie fährt, gewinnt. Soweit, so einfach: In der Dauerprüfung immer schön konstant fahren, dabei genügend Zeit für die Boxenstopps herausarbeiten und - ganz wichtig - nicht stürzen. Das würde viel Zeit und zusätzliche Arbeit bedeuten. Die Startzeit unserer Klasse ist 8.16 Uhr. Ganz schön früh am Morgen, um schnell Motorrad fahren zu wollen. 164 Runden liegen vor uns. Langsam wollen wir die Sache angehen. Der Asphalt ist noch kalt, der Schlaf sitzt tief in den Knochen. Auch unser Café Racer fühlt sich noch ziemlich ungewohnt an. Die Knie wollen sich noch nicht so richtig einfalten, der Rücken ist steif und sträubt sich gegen den mächtigen Tankbuckel. Auf schnelle Harakiri-Runden kommt es zum Glück jetzt nicht an. Da alle Klassen diese erste Prüfung gleichzeitig absolvieren, ist auf der Srecke mächtig viel Betrieb. 117 Teams nehmen teil, macht ebenso 117 Motorräder gleichzeitig auf dem Kurs. Die schnellen Maschinen, auf denen auch schnelle Fahrer sitzen, pfeifen alle paar Runden ernaut vorbei. Trotz des locker-entsapnnten Rahmens - |
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schließlich
geht es in der Dauerprüfung um nichts - landet man doch hin und wieder
in dem einen oder anderen Scharmützel. Rundenlang beharke ich mich
mit einer schönen Aprilia Mille. Dass es eine edle Edwards-Replika
ist, kann ich einige Male sehr genau an den Sternen auf dem Höcker
erkennen. Schnell ist vergessen, dass es hier nur ums Abspulen von Runden
geht, Das Adrenalin köchelt unaufhaltsam im Blut auf. Über die
knapp sieben Stunden werden trotz aller Vorsicht einige Motorräder
zu Schrott verbogen. Unsere VOXAN zieht sehr zuverlässig ihre Runden. Anfangs ist der Druckpunkt der Bremsen ein wenig in Richtung Lenkstummel gewandert. Als aber die Bremsflüssigkeit ohre Arbeitstemperatur erreicht, arbeitet die Bremse konstant. Ein Turn dauert so lange, bis die Benzin-Reserveleuchte aufleuchtet. Im Schnitt wechseln wir uns also alle 45 Minuten ab. Auftanken, den Zusatnd der Reifen und der Bremsbeläge checken, und schon geht die Reise weiter. Dabei entwickelt sicj ein heißer Wettkamf, wer von uns beiden die schnellere Runde dreht. |
| Nach
der Dauerprüfung geht die interne Teamwertung an den Autor, als alter
Haudegen aber brennt Michael im Sprintrennen dann eine deutlich bessere
Zeit in den Asphalt. Stichwort Sprintrenne. Wenige Minuten vor Ende der Dauerprüfung ziehen wir unseren Joker: ein zweiter Satz Räder mit super klebrigen Michelin Pilot Race-Reifen. Da an den Maschinen zwischen Dauer- und Sprintprüfung nicht geschraubt werden darf, sind eventuelle Sprint-Vorbereitungen noch bein einem regulären Boxenstopp zu erledigen. Mit unserer schnellsten Runde aus der Dauerprüfung steht die VOXAN auf dem fünften Startplatz. Mit einem sensationellen Start biegt Michael als dritter in die erste Kurve ein, auf den Geraden sind wir jedoch relativ leichte Kost für die starken Maschinen. Der zehnte Platz, der es am Ende wird, geht vollauf in Ordnung. Schließlich hat die VOXAN die ganze Zeit sauber kunktioniert, und das der Sinn des Tests. Darauf muss sofort nach dem Rennen ein Schaumwein geköpft werden, selbstverständlich französischer Herkunft, versteht sich. |
Artikel
aus dem Motorradmagazin "MO" Heft 07/2003
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